"...Ich hatte ihn länger schon nicht mehr gesehen Und plötzlich stand er da Ich kam zur Tür rein und er lehnte an der Wand Es war nichts los. Ich wollt gleich wieder gehen Doch dann sprach er mich an Und an dem, was er sagte, hab ich ihn erkannt..."
Das bedeutet J.D. kennt "ihn", er hat ihn aber nur am Gesprächsinhalt und nicht durch das Äußere oder die Stimme erkannt.
"...Die Luft war stickig, die Musik war laut Ich hatte Lust auf einen Drink Es war wie immer und so ging es an die Bar Er fragte nach, wir kamen ins Gespräch Ich weiß nicht mehr worum es ging Nur dass es mir zum Schluss zu oberflächlich war..."
Das lässt auf keine große Zuneigung (aber auch keine riesige Abneigung) schließen...
"...Ich hab seitdem nichts mehr von ihm gehört Soviel ich weiß lebt er noch hier Versucht wie jeder klarzukommen, in seiner Welt Unsere Begegnung hat mich nicht gestört Schließlich ist er ein Teil von mir Ich war für ihn wohl sowas wie ein Spiegelbild..."
Wieder neutrale Aussagen, keine Kontaktaufnahme allerdings auch keine negative Bewertung, "Er" ist ein Teil von J.D. - Seelen/Bluts-verwandt? J.D. war (und ist es anscheinend nicht mehr) für "ihn" eine Art Spiegelbild - nicht umgekehrt.
Gute Frage! Mir kam gleich beim ersten Hören und noch vor Erklingen der letzten Strophe der Gedanke, an ein zweites Ich, ein alter Ego so im Sinne von Persönlichkeitsspaltung. Also wäre "schließlich ist er ein Teil von mir" quasi wörtlich zu nehmen. Das Gespräch, was "die beiden" führten, war demzufolge dann mehr ein Selbstgespräch. "Beweise" kann ich natürlich nicht anführen und besonders viel gibt der Text ja auch nicht her, aber ich sträubte mich von Anfang an gegen die Idee, dass es tatsächlich um eine reale zweite Person gehen würde.
Ich denke eure Interpretationen gehen in die richtige Richtung. In einem der Interviews äußert sich Jochen selbst zu diesem Doppelgängermotiv in "Er":
In Antwort auf: Ja, das ist auch etwas, was man anerkennen muss: Man kann das andere Ich eben nicht abspalten. Jedenfalls ist das nicht mein Weg. [...] Vielleicht gelangt man zu einem Frieden nur dann, wenn man das, wozu man spontan Gegnerschaft empfindet, als Teil von sich selbst begreift. Dadurch bekommt man ein etwas entspannteres Verhältnis dazu. Ist zwar anstrengender, wenn man merkt, wie leichtfertige Projektionen auf andere oder auf Dinge im Moment des Erkennens nicht mehr haltbar sind, wenn man spürt, dass die Bilder - die Dämonen, Ängste oder Sehnsüchte - in einem selbst wirkende Kräfte sind. Aber einer der Schritte zur Verwandlung führt eben über Anerkennung.
Doppelgänger ist gut. Ich überlege darüber hinaus, ob es sich nicht sogar um eine Doppelgängerin handeln könnte.
Ein Versuch den Text Queer zu lesen.
Sie
Ich hatte sie länger schon nicht mehr gesehen Und plötzlich stand sie da Ich kam zur Tür rein und da lehnte sie an der Wand Es war nichts los. Ich wollt gleich wieder gehen Doch dann sprach sie mich an Und an dem, was sie sagte, hab ich sie erkannt
Das ist sie. Da kommt sie. So ist sie. Sie ist sie
Die Luft war stickig, die Musik war laut Ich hatte Lust auf einen Drink Es war wie immer und so ging es an die Bar Sie fragte nach, wir kamen ins Gespräch Ich weiß nicht mehr worum es ging Nur dass es mir zum Schluss zu oberflächlich war
Das ist sie. Da kommt sie. So ist sie. Sie ist sie
Ich hab seitdem nichts mehr von ihr gehört Soviel ich weiß lebt sie noch hier Versucht wie jeder klarzukommen, in ihrer Welt Unsere Begegnung hat mich nicht gestört Schließlich ist sie ein Teil von mir Ich war für sie wohl sowas wie ein Spiegelbild
Das ist sie. Da kommt sie. So ist sie. Sie ist sie
Aber beim durchlesen, fürchte ich, ich habe den Inhalt des Liedes jetzt sehr geändert. Oder?